9. Integrationshaltungen

Im Anschluss an die Wiederherstellung der Entspannungs- und Regenerationsfähigkeit des Patienten werden je nach Bedarf und Aufnahmekapazität des Patienten die verbliebenen Gelenkblockaden und Muskelverspannungen behandelt. Zur häuslichen Eigenbehandlung dienen in der integralen Orthopädie die Integrationshaltungen. Diese werden im Anschluss an die Integrationsreflexe zum Lösen der verbliebenen Bewegungs- und Energieblockaden an Muskeln und Gelenken angewendet. Sie sind abgeleitet von den Strain-Counterstrain Techniken des Osteopathen Jones und vor allem deren Weiterentwicklung im Sinne der Ortho-Bionomy von dem Osteopathen Arthus Lincoln Pauls. Sie werden den Patienten zur häuslichen Weiterbehandlung ihrer individuellen Schwachstellen demonstriert.
Alle Integrationshaltungen können auch vom Patienten oder seinen Angehörigen selbst durchgeführt werden. Sie werden hier mit der häufigsten freien Richtung beschrieben. Ist die angegebene Richtung nicht schmerzlindernd, kann eine andere Richtung versucht werden. Die Position wird etwa eine Minute lang gehalten oder bis eine Entspannungsreaktion auftritt. Es sollten nicht mehr als eine Übung pro Sitzung demonstriert und diese auch später kontrolliert werden.

1. Nacken: In Rückenlage mit einem Kopfkissen wird der Nacken soweit in Richtung eines druckschmerzhaften Gelenkes geneigt, bis sich der Druckschmerz auflöst. In dieser Position wird der Kopf mit der anderen Hand vom Scheitel aus sanft in Richtung Rumpf gedrückt.

2. Nacken-Schulter-Winkel (1. Rippe/Scalenusmuskeln): Der in Schulter und Ellenbogen rechtwinklig gebeugte Arm wird gegen den am Ellenbogen Widerstand gebenden anderen Arm leicht fußwärts gedrückt.

3. Schultergelenk/Biceps: Der anliegende Oberarm wird schulternah leicht nach innen gedreht und zum Körper gedrückt.

4. Ellenbogen/Speichenköpfchen: Das Speichenköpfchen, knapp unterhalb des daumenseitigen Ellenbogenhöckers, wird nach innen oder außen gedreht.

5. Ellenbogen/Handgelenksstrecker und –beuger: Die Hand wird gestreckt bzw. gebeugt und zum Ellenbogen geschoben.

6. Handgelenk: Die Handwurzel wird mit der anderen Hand umfasst, leicht handflächenwärts bewegt und zum Unterarm hin bewegt.

7. Handwurzelknochen: Gegen den schmerzhaften Handwurzelknochen wird mit dem Zeigefinger der anderen Hand von unten ein leichter Druck ausgeübt, während Daumen und Mittelfinger das Handgelenk von außen fixieren.

8. Brustwirbel: In Bauchlage wird die gegenseitige Schulter in Richtung des schmerzhaften Wirbels nach hinten angehoben oder mit einem Kissen unterlegt.

9. Brustbein-Rippen: Das Brustbein wird in die angenehmste Richtung bewegt und die schmerzhafte Rippe mit der anderen Hand von der Seite sanft zum Rumpf gedrückt

10. Brust-Lendenwirbelübergang: In Rückenlage werden die gebeugten Beine mit beiden Armen in der angenehmsten Richtung zum Rumpf gezogen.

11. Mittlere und untere Lendenwirbel und ISG: In Bauchlage wird der gleich- oder gegenseitige Beckenkamm zum schmerzhaften Wirbel hin gezogen oder durch ein Kissen unterlegt.

12. Sacroiliacalgelenk: Der Patient liegt auf der schmerzarmen Seite und drückt den oberen vorderen Darmbeinrand nach hinten.

13. Kreuzbein: Das Kreuzbein wird - wie ein Floß auf dem Wasser - in die Schmerz reduzierende, freie Richtung geschoben, meist an der Basis, also oben, körperwärts und evtl. auch leicht nach links oder rechts gekippt.

14. Symphyse: In Rückenlage werden die vorderen Beckenkämme gegensinnig in die Schmerz reduziernde Richtung verschoben.

15. Kniegelenk: Der Oberschenkel wird mit einer Hand gehalten oder mit einem Kissen unterlegt und das Schienbein mit der anderen Hand nach hinten und oben verschoben oder auch gedreht.

16. Wadenbein: Das Wadenbein wird an beiden Enden berührt und gehalten. Alternativ wird der Fuß gegenüber dem Unterschenkel nach hinten und oben und anschließend das Wadenbeinköpfchen, seitlich unter dem Knie, sanft nach hinten oder vorn verschoben.

17. Sprunggelenk: Der Fuß wird unterhalb des Knöchels gehalten und gegenüber dem fixierten Unterschenkel leicht nach hinten und oben geschoben.

18. Fußgewölbe: Der innere Fußrand wird am inneren Mittelfußknochen sanft angehoben. Bei zentraler Verspannung wird der Fuß nach innen oder außen gedreht.

19. Großzehe: Der Großzeh wird leicht in Richtung der übrigen Zehen und ggf. fußsohlenwärts bewegt und zum fixierten 1.Mittelfußknochen geschoben.

20. Zehen und Fingergelenke: Die Zehen bzw. Finger werden oberhalb des schmerzhaften Gelenkes fixiert, leicht gestreckt bzw. gebeugt und gegenüber dem fixierten Gelenkpartner fußsohlen- bzw. handflächenwärts und zum Körper hin verschoben.

Der integrale Sacrumreflex
Eine einfach Lösungsmöglichkeit zur Lösung von Blockaden im ISG oder Kreuzdarmbeingelenksbereich bietet der integrale Sacrumreflex.
Dazu werden in Bauchlage je nach befinden beide oder auch nur einer der Beckenknochen vorn mit einem Kissen unterlagert. Dadurch wird das Darmbein leicht nach hinten geschoben. Anschließend wird das Kreuzbein sanft in die angenehmste Richtung verschoben. Dazu wird der Handballen handbreit über der Gesäßfalte auf das Kreuzbein gelegt und ein Verspannungspunkt in der Gesäßmuskulatur oder über dem Beckenrand mit einem Finger der anderen Hand gedrückt. Wird das Kreuzbein in die richtige Richtung geschoben, verschwindet in der Regel der Verspannungspunkt. Zunächst wir nach oben oder unten geschoben und einige Minuten gehalten. Verbleiben noch Schmerzpunkte über dem Kreuzdarmbeingelenk oder im Gesäß erfolgt dann eine seitliche Verschiebung und ev. auch eine Drehung..

Ein Steißbeinschmerz ( Coccygodynie) kann genauso über das Kreuzbein behandelt werden mit Kontrolle der richtigen Bewegungsrichtung über den Druckschmerz am Steißbein.
Dazu wird mit einem Finger die Steißbeinspitze sanft nach vorn gedrückt und das Kreuzbein mit der anderen hand in der schmerzlindernden Position gehalten.
Das gleiche gilt für eine hinteren Hüftschmerz, der gelegentlich mit einer Schleimbeutelentzündung auftritt.

Für eine selbständige Lösung der ISG-Blockade ohne weiteren Behandler reicht nach Durchführung des Nabelreflex in den Flanken die abwechselnde Unterlagerung durch ein Kissen für einige Minuten..


Für die ortho-bionomische Behandlung der Brustwirbelsäule wird die gleich- oder gegenseitige Schulter oder Rippenregion in Bauchlage soweit angehoben bis der jeweilige Druckschmerz an der Wirbelsäule verschwindet und diese Position 1-2 Minuten gehalten.
Für die Lendenwirbelsäule von großer Bedeutung ist auch eine druckschmerzhafte Blockade der 12 Rippe. Diese wird meist nach hinten oben zum Rumpf hin gehoben und für 1-2 Minuten sanft gehalten oder auch durch ein Kissen unterlagert.





Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und alters- und körpergerechte Bewegung ist zu achten.

Literaturempfehlung für Therapeuten:
Klaus Weber, Michaela Wiese: Lehrbuch der Ortho-Bionomy, Sonntag Verlag
Hans Diepold: Ortho-Bionomy, Lernkarten, eigener Druck

10. Weitere Anwendungen in der integralen Orthopädie Perspektiven



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