7. Anwendungsmöglichkeiten

7.1.Anwendungsmöglichkeiten:
Die Anwendung der Integrationsreflexe, insbesondere des Nabelreflexes, führt zu einer Umschaltung des vegetativen Nervensystems von einem Stress- in einen Entspannungszustand mit Auswirkungen auf die Entspannungs-, Regulations- und Regenerationsfähigkeit von Bewegungsapparat, Verdauung, Immunsystem und Gemüt. Dies kann wie zum Teil praktisch beobachtet und zum Teil aus den vermuteten neurophysiologischen Zusammenhängen ableitbar, Auswirkungen haben auf alle damit verbundenen Anwendungsbereiche. Die ungewohnt intime Kontaktaufnahme am Nabel sollte sanft und achtsam erfolgen. Dann kann sie den Weg öffnen zu einem für manche Therapeuten ungewohnt persönlichen Bezug. Die mit der Öffnung des Patienten verbundene veränderte Bewusstseinslage drückt sich meist aus in einem wacheren, klareren und persönlicherem Blick sowie einer vertieften Atmung. Der therapeutische Bezug sollte im Bewusstsein dieses erweiterten Einflussbereiches mit offenem Herzen, aufmerksam und achtsam sowie bei entspanntem eigenem Nabelzentrum erfolgen.
Aus den oben genannten Zusammenhängen ergeben sich vielfältige, zum großen Teil noch zu erforschende, postulierte Einsatzbereiche:
7.1.1.Gynäkologie und Geburtshilfe:
Der jüngste Patient, der theoretisch vom Nabelreflex profitieren kann, ist der über von Nabel zu Nabel mit der Mutter verbundene Embryo.
Die Auswirkung einer Entspannung des vegetativen Nervensystem und der Psyche der Mutter auf den Fötus sowie eine Verbesserung der Nähr- und Immunstoffverteilung im gemeinsamen Blutkreislauf sind nahe liegend.
Sensible Therapeuten spüren darüberhinaus oft eine direkte Kontaktaufnahme mit dem noch nicht geborenen Menschen, sowie eine gewisse angenehme Entspannung, die diesem zugeordnet werden könnte.
Die Behandlung von unspezifischen Unterleibschmerzen kann direkt durch Verbindung der Schmerzregion mit Nabel- und Narben versucht werden. Rückenschmerzen entstehen auch bei Schwangeren meist durch eine nabelassoziierte Verspannung der tiefen Rückenstreckmuskulatur. Nach Zusätzlich zur Entspannung dieser über den Nabelreflex können über die entsprechenden Integrationshaltungen oder sonstige manuelle Techniken die Gelenke zwischen Wirbelsäule und Becken (ISG) und am Übergang von Brust- zur Lendenwirbelsäule entspannt werden. Fast immer ist die Verspannung des Nabels auch mit einer Symphysenblockade verbunden, die ebenfalls mit Nabelreflex und ggf. Integrationshaltungen gelöst werden kann. Auswirkungen auf einen entspannteren Geburtsvorgang sind naheliegend.

7.1.2. Kinderheilkunde:
Kinder reagieren normalerweise schneller als Erwachsene auf den Nabelreflex und spüren auf die Frage, welche Richtung ihnen lieber ist, sofort die freie Richtung im Nabel. Beinlängendifferenzen, Hüftbeugekontrakturen, Abspreizdefizite der Hüftgelenke durch ISG-Blockaden und damit verbundene Skoliosen oder so genannte Wachstumsschmerzen lösen sich durch Verbindung von Nabel und Lendenregion im Bereich von Hüftbeuger und Rückenstrecker unter den Augen der staunenden Mütter in wenigen Minuten auf. Aber auch Kopfgelenksblockaden mit Nacken-Kopfschmerzen und Konzentrations- und Koordinationsstörungen sowie gelegentlich Allergieneigungen reagieren gut auf die Integrationsreflexe. Wichtig ist, die Entstörung der Mandeln oder Mandelnarben über Narbenreflex oder mit Laser nicht zu vergessen und bei Bedarf zu wiederholen.

7.1.2.Orthopädie
1. Rückenschmerzen:
Der am häufigsten verkrampfte Muskel bei einer stressbedingten, vegetativen Systemblockade und auch bei allen Rückenschmerzen ist der quadratische Lendenmuskel oder tiefe Rückenstrecker. Er befindet sich zwischen dem unteren Rippenrand und dem oberen Beckenrand. Seine Verkürzung ist in der Regel verbunden mit Blockaden in seinem Ansatzbereich am Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule und am Kreuzdarmbein- oder Iliosacralgelenkes (ISG). Beide lassen sich ohne eine ursächliche Entspannung dieses Muskels nicht dauerhaft und manchmal auch überhaupt nicht lösen. Häufig reicht die Verbindung des der Lendenmuskulatur mit dem Nabelreflex zur Behandlung von akuten und chronischen Rückenschmerzen aus. Der empfohlene Standardgriff für diese Region ist zugleich der am häufigsten indizierte: Der Daumen liegt am Unterbauch, während die Handfläche möglichst weit den unteren Rücken umfasst und die andere Hand den Nabel ganz sanft in die freie Richtung schiebt. Anschließend kann manuell oder durch die Integrationshaltung mit Unterschieben eines Kissens unter die gleichseitige Beckenseite in Bauchlage das ISG deblockiert werden. Auch eine hartnäckige Blockade der Schambeinfuge oder Sympysenirritation steht meist im Zusammenhang mit einem Nabelstörfeld oder einer Kaiser- oder Dammschnittnarbe. Zur Integralen Orthopädie gehört natürlich auch die Untersuchung und Behandlung der Muskel-Gelenk-Kette bis zum Fuß mit Anleitung zur häuslichen Behandlung der individuellen Schwachstellen.
2. Schulterschmerzen:
Schmerzhafte, bewegungseingeschränkte Schultergelenke mit Druckschmerz der vorderen Muskelansätze lassen sich in der Regel nur durch Nabel- und ggf. Narbenreflex in wenigen Minuten erheblich verbessern.
Zusätzlich wird, wie auch bei Nackenschmerzen, empfohlen die Handfläche nacheinander beidseits seitlich am Hals anzulegen, so das gleichzeitig die Tonsillen- und Schilddrüsenregion entstört und die Halsmuskulatur entspannt werden kann.
3. Sonstige orthopädische Indikationen:
Grundsätzlich empfiehlt sich eine Unterstützung der manuellen Behandlung bei allen Muskel-, Sehnen- oder Gelenkschmerzen. So zeigen sich gute Resultate z.B. bei Nackenschmerzen, Epikondylitis oder Achillessehnenschmerzen. In der Praxis werden die Patienten immer auch in die Durchführung der entsprechenden orthobionomischen Integrationshaltungen eingewiesen.

7.1.3.Chirurgie und operative Orthopädie
Eine entspannte Muskel-Gelenksituation macht viele Operationen unnötig oder erleichtert die Operationsentscheidung mit dem Blick auf strukturelle operationsbedürftige Probleme, wie therapieresistente Bandscheibenvorfälle oder völlig abgenutzte Hüft- oder Kniegelenke. Bei den letzteren ermöglicht die Entspannung z.B. der Hüftbeuger oder –anspreizmuskeln oder der Ausgleich einer funktionellen Beinlängendifferenz über den Nabelreflex die achsengerechte Planung einer Prothese. Der Operationsstress wird vom Körper besser toleriert, wenn er auf ein regulationsfähiges Nerven-, Hormon- und Immunsystem trifft. Entsprechendes gilt für die postoperative Rehabilitation. Zu dieser gehört erstens die Integration der neuen Narbe über den Narbenreflex, zweitens die Integration z.B. der neuen Gelenksituation oder der Lücke, die durch Entfernung eines Teiles des Körpers entsteht, durch Verbindung des Nabelreflexes mit gleichzeitiger Berührung des operierten Körperteils und drittens die Verringerung verbliebener oder durch den Operationsstress oder die Immobilität neu entstandener funktioneller Schmerzkomponenten.

7.1.4.Innere Medizin
Die Stärkung des Immunsystems und Verbesserung des Allgemeinbefindens wurde bereits begründet. Die Anregung der Darmtätigkeit zeigt sich auch an den meist direkt vermehrten Darmgeräuschen und könnte von Menschen mit Neigung zu Verstopfung entsprechend ausgenutzt werden. Auch Übelkeit und Erbrechen nach Chemotherapie konnten durch Entstörung von Nabel und Narben reduziert werden. Durch die Umschaltung vom Stress- in den Entspannungsmodus werden die Patienten regenerations- und leistungsfähiger sowie lebensfroher. Chronische Müdigkeit und Lustlosigkeit, Empfindungs-, Wahrnehmungs- und emotionale Schwingungsfähigkeit lassen sich positiv beeinflussen. In diesem Zusammenhang zeigt sich immer wieder eine kinesiologisch nachweisbare, stressbedingte Störung der Schilddrüse bei beginnender Müdigkeit verbunden mit Nachlassen der geistigen und emotionalen Schwingungsfähigkeit. Diese lässt sich sehr gut durch eine Verbindung von Nabel und Schilddrüse korrigieren.

7.1.6 Entstörungsbehandlung
Der Nabelreflex kann auch zur Entstörung von anderen Störherden dienen. Narben werden gleichzeitig mit dem Nabel berührt und beide in die angenehmste Richtung verschoben. Innere Drüsen, wie die Mandeln, Schilddrüse oder Leber können in Verbindung mit dem Nabel von außen über die Haut entspannt und in ihrer Funktion angeregt werden. An der Rachen und Mandelregion ist dies besonders wichtig nach jedem Infekt.
7.1.7.Akupunktur und manuelle Medizin
Das Vorhandensein von Störherden oder einer vegetativen Hypertonie ist oft verantwortlich für den ausbleibenden Erfolg einer Akupunktur oder manuellen Behandlung. Die Durchführung der Integrationsreflexe empfiehlt sich grundsätzlich vor einer entsprechenden Behandlung, aber es hilft auch, wenn der Patient während der Akupunktursitzung oder osteopathischen Behandlung sich den Nabel entspannt oder, falls möglich, die Integrationsreflexe durchführt. Der Nabelreflex kann vom Patienten auch zur häuslichen Aktivierung des Energieflusses in den Meridianen angewandt werden. Dazu wird die Entspannung des Nabels mit der gleichzeitigen Berührung der Tonisations- , Sedations-, Quell- oder Anfangspunkte eines Meridians verbunden.

7.1.8.Psychotherapie
In der Traumatherapie werden durch ein Trauma ausgelöste und nicht verarbeitete Emotionen und Spannungen bekanntermaßen in der Muskulatur gespeichert(siehe auch Somatic Experience, Peter Levine). Die manuelle Entspannung des Nabels sowie aller übrigen störenden Narben wäre eine enorme Bereicherung insbesondere bei der körperorientierten Traumaarbeit. Bei der Durchführung der Integrationsreflexe zeigt sich eine Korrelation zwischen der traumatischen Belastung in der Zeit der Narbenentstehung, also auch beim Geburtsvorgang und der Berührungsempfindlichkeit der Narben und ihrer Behandlungsrelevanz im Hinblick auf lokale und generalisierte Verspannungsmuster, oft auch im Hinblich auf die psychische Gesamtsituation. Nabel- und Narbenreflexe können alleine oder noch besser in Kombination auch unabhängig von der Behandlung muskulärer Verspannungen vor und während einer Psychotherapie und anschließend als Selbstbehandlung vor allem nach Stressphasen zuhause angewendet werden. Der sensible Therapeut spürt spätestens bei Berührung der Narbe oder des Nabels das Ausmaß und die Qualität der gespeicherten traumatischen Emotionen bis hin zu einem genauen Einfühlen in die Situation des Patienten zum Traumazeitpunkt. Von besonderer Bedeutung sind die achtsame und liebevolle Präsenz und das ausreichend lange Verweilen in der seelischen Verbindung, die bei dieser Art der Körpertherapie entsteht. Dem Therapeuten obliegt es auch zu spüren, für wie viel Lösungsarbeit der Patient bereit ist und analog des somatic experience schwerer traumatisierte Patienten nur ganz sacht, so zu sagen tröpfchenweise mit dem Traumaerlebnis zu konfrontieren, entgegen dem sonst geltendem Prinzip, möglichst alle Narben in einer Sitzung zu behandeln, um keine Erstverschlimmerung zu riskieren.
Bei der Behandlung von Borderline-Patienten zeigt sich immer wieder eine überdurchschnittliche körperliche und seelische Sensibilität sowie Reaktionsfähigkeit auf die Integrationsreflexe. Oft müssen Nabel oder Narben erst energetisch über die Aura behandelt werden, bevor der Patient eine Berührung toleriert.
Der transpersonale, psychotherapeutische Ansatz von Almaas sieht in der Trennung des Neugeborenen von der Mutter die Trennung des Individuums von der göttlichen Essenz des Lebens und der damit verbundenen, zu diesem Zeitpunkt noch unbewussten universellen Weisheit. Die Konstruktion eines Ichbewusstseins dient der Verarbeitung dieses Verlustes. Der Nabelreflex könnte in diesem Zusammenhang helfen, nicht nur das Trauma der Entbindung sowie das postulierte Trauma der Abnabelung heilen zu helfen, sondern vielleicht auch eine Rolle spielen bei der gestörten Verbindung zur ursprünglichen Ganzheit des Selbst.
In der systemischen Familientherapie zeigt sich immer wieder der Bezug von seelischen und körperlichen Beschwerden zu zeitlich weit voraus liegenden Verwicklungen, die möglicherweise auch einen körperlichen Bezugspunkt im Nabel haben.
Typische Muskelgruppen die auf emotionalen Stress verspannen und diesen oft auch speichern, sind der Hüftbeuger, der tiefe Rückenstrecker, die seitliche Oberschenkelmuskulatur, die Nackenstrecker und die Kiefermuskeln. Bei Versuchsgruppen konnte gezeigt werden, dass sich eine muskuläre, durch Verspannung des Hüftbeugers bedingte Arm- und Beinlängendifferenz allein durch Konzentration auf ein stressgeladenes Ereignis provozieren und durch Öffnung für Licht und Liebe wieder ausgleichen lässt.
Der Therapeut sollte die Integrationsreflexe, vor allem den Nabelreflex, auch immer wieder nach Stressphasen, wie anstrengenden Behandlungen, bei sich selbst anwenden und eine angemessene Seelenhygiene pflegen, um dem Patienten als ein ausgeglichenes Instrument zu dienen und ihn nicht zusätzlich zu belasten.

7.1.9.Entspannung und Zentrierung
Schon den Nabelreflex alleine mit dem Finger, oder auch nur in der Vorstellung durchzuführen, verhilft zur seelischen und körperlichen Entspannung und Zentrierung in unserer Mitte. So kann er auch zur Einleitung einer Meditation, einer psychotherapeutischen Sitzung oder kinesiologischen Behandlung, vor und nach körperlichen und geistigen, sportlichen, beruflichen oder sonstigen Anstrengungen angewandt werden. Eine mögliche Regenerationsübung, die in Ruhe, aber auch während eines Spaziergangs oder der Arbeit angewandt werden kann, besteht in der Vorstellung aus der Umgebung, insbesondere von oben, frische Kraft und Licht in das Nabelzentrum einzuatmen. Beim Ausatmen können sich diese entweder im ganzen Körper, einer Schmerzregion, dem Herz oder Unterbauch in Form von Wärme und hellem oder farbigem, insbesondere rotem Licht ausbreiten. Dabei sollte immer auch auf guten Bodenkontakt geachtet werden. Eine besonders intensive Lösung äußerer Anspannung und Aktivierung innerer Kraft gelingt durch die kombinierte Energieballübung an Herz und Nabel: Dabei stellt man sich unter den auf Nabel und Herz liegenden gewölbten Händen jeweils einen großen Energieball vor bzw. spürt die dort vorhandene Energie und dreht beide Bälle nacheinander in die angenehmste Richtung.

.

7.2. Kontraindikationen
Alle entzündlichen Prozesse, die mit Erwärmung, Rötung, Schwellung oder sehr stark schmerzhafter Bewegungseinschränkung einhergehen, wie akute Gelenk- oder Schleimbeutelentzündungen oder akuter Bandscheibenvorfall.

7.3. Nebenwirkungen
Diese können in Form einer Anfangsverschlechterung auftreten, wenn ein Störfeld oder ein nicht entstörter Anteil eines Störfeldes übersehen wurde. Dieser kann dann aktiviert werden, starke Störimpulse senden und aktiviert auch schnell wieder die anderen Störherde. Für Patient und Behandler können vorübergehende Nebenwirkungen in Form von Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten - vor allem bei Entstörung stark emotional belasteter Narben. Bei häufigen Anwendungen empfiehlt es sich, die Behandlung vom Patienten selbst durchführen zu lassen und währenddessen oder anschließend die weiteren Behandlungen durchzuführen.

7.4.Schwierigkeiten
Die Patienten, insbesondere mit medizinischen Vorkenntnissen sind zunächst angenehm überrascht. Kinder sprechen gern von Zauberei und übernehmen die Technik wie selbstverständlich. Ein großes Problem liegt jedoch in der korrekten und regelmäßigen häuslichen Weiterbehandlung. Manuell unerfahrene Patienten berühren entweder den Nabel oder die Narben nicht oder zu fest. Verständige und Leid erfahrene Patienten berichten jedoch regelmäßig von einer guten Unterstützung durch die häusliche Weiterbehandlung.

8. Vor- und Nachsorge



SCHNELLKONTAKT

PRAXIS WILNSDORF
Hagenerstr. 25
57234 Wilnsdorf

Tel. 02739.30380
Fax 02739.303829





E-Mail
Sie finden uns in Wilnsdorf an der A 45 zwei Abfahrten südlich von Siegen, zwischen den beiden Tankstellen an der Hauptstrasse, der Hagenerstr. 25.
Seite  << 7 von 12 >>